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Mathi­as Wild sees him­s­elf as a dis­co­ve­rer of the image who for­ges ahead with his explo­ra­ti­ons like an essay­ist. Not only does he deve­lop images from the seen, but also from what is thought, for which he crea­tes for­mu­la­ti­ons with ten­der­ness and pas­sio­na­te cri­ti­cism, thus pur­suing his goal of artis­tic know­ledge with full dedi­ca­ti­on. Dri­ven by a con­stant pro­duc­tive rest­less­ness, Wild works with the utmost pre­ci­si­on like a clock­work. Initi­al­ly, he starts from the pic­to­ri­al sound of a back­ground, a mur­mu­ring that is alre­ady pre­sent just like life its­elf. Wild fol­lows trails and tracks almost like a nomad while lay­ing new ones him­s­elf; he takes poe­tic detours, breaks off, con­ti­nues, plays with luci­di­ty, vacant are­as which he refers to as ‘celesti­al bodies’, thus crea­ting new spaces for thin­king and action for him­s­elf as well as the view­er. The ent­i­re pain­ting beco­mes an act of car­to­gra­phy and field of expe­di­ti­on for Wild. His big com­po­si­ti­ons in oil (“Über die Schif­fahrt”, “Rau­he Dia­go­na­le”, “Vor dem Blau/Blendung” and “War­mes Schwarz”/On Sea­fa­ring, Rough Dia­go­nal, Befo­re the Blue/Glare, Warm Black) are cases and con­struc­tions which speak about the who­le as well as the various parts of his works. He crea­tes spaces that are map­ped out dif­fe­ren­ti­al­ly with sym­bols, spots, colo­red sur­faces and enig­ma­tic objects. The artist turns and moves them around, pla­cing them into a rela­ti­ons­hip with each other. Dif­fe­rent shades of green, vio­let, pur­ple or gray pre­do­mi­na­te. But Wild does not employ a color in the simp­le sen­se. He posi­ti­ons the colors at a distan­ce to one ano­t­her and send them into a chro­ma­tic dis­cour­se. Green flirts with oran­ge, blue with a satu­ra­ted yel­low. In his gou­ache pain­tings, which Wild regards as color-drawings, the artist pla­ces various motifs on infor­mal back­grounds in two to three vir­tual­ly cine­ma­tic cuts. Here one can find refe­ren­ces to Clas­sic Moder­nism (“Pen­sées á Matis­se”) or humo­rous­ly figu­ra­ti­ve moments with refe­ren­ces to art brut. Here Wild also inclu­des ali­en and rather ugly ele­ments into the­se images and returns value to colors that had lost their initi­al signi­fi­can­ce through their use in adver­ti­sing, for examp­le.
In his cycle of reli­ef-like works with oil on cor­ru­ga­ted card­board he had pur­sued sin­ce 2013, Wild deals with ever­y­day phe­no­me­na in objects like “Stra­ße” (“Street”), “Working” and “Pic­nic”. In doing so, Wild uses cor­ru­ga­ted card­board boxes, a packa­ging mate­ri­al of which every Ger­man uses appro­xi­mate­ly 60 kilo­grams per year and which alre­ady has a per­so­nal histo­ry for the artist. Flip­ped open, fold­ed and cut the boxes ser­ve as models onto which the artist app­lies shapes and quo­ta­ti­ons. In the pro­cess, the oil paint bleeds into the cel­lu­lo­se tis­sue of the mate­ri­al, mixes with the fre­quent­ly cheap prin­ting ink on the fra­gi­le sur­face and results in new, oscil­la­ting nuan­ces. The works of Mathi­as Wild are sin­gle pie­ces sin­ce the artist always employs a new approach and an indi­vi­du­al pro­duc­tion pro­cess. This can be seen even more clear­ly in his mono­ty­pes, one of which is rep­re­sen­ted by a sheet of paper sho­wing a figu­re in dif­fe­rent shades in this exhi­bi­ti­on. Here the artist dis­plays the power of his expe­ri­ence. Acting spon­ta­neous­ly and almost blind­ly, he suc­cess­ful­ly app­lies this tech­ni­que in which print, pain­ting and drawing over­lap in quick tem­po­ral suc­ces­si­on, thus crea­ting an art that can be mas­ter­ful­ly sum­ma­ri­zed as a “Piè­ce uni­que”.

DE

Mathi­as Wild ver­steht sich als Bild­for­scher, der sei­ne Erkun­dun­gen vor­an­treibt wie ein Essay­ist. Bei ihm ent­ste­hen Bil­der nicht nur aus dem Gese­he­nen, son­dern vor allem Gedach­ten, für das er mit Zärt­lich­keit und lei­den­schaft­lich-kri­ti­scher Hin­ga­be For­mu­lie­run­gen mit dem Ziel eines künst­le­ri­schen Erkennt­nis­ge­winns schafft. Wild agiert wie ein prä­zi­ses Uhr­werk aus einer ste­ten pro­duk­ti­ven Ruhe­lo­sig­keit (“rest­less­ness”) her­aus. Zunächst geht er vom Fond eines bild­haf­ten Rau­schens aus, einem “Sound”, der bereits vor­han­den ist wie das Leben selbst. Gera­de­zu noma­disch folgt Wild dann Fähr­ten, Spu­ren, legt sel­ber wel­che, geht male­ri­sche Umwe­ge, bricht ab, setzt wie­der an, spielt mit Luzi­di­tä­ten, frei­en Zonen, die er “Gestir­ne” nennt und erschafft so sich wie auch dem Betrach­ter neue Denk- und Hand­lungs­räu­me.
Dabei wird Wild das gesam­te Bild zur Kar­to­gra­phie und zum Akti­ons­feld. Sei­ne gro­ßen Kom­po­si­tio­nen in Öl (“Über die Schif­fahrt”, “Rau­he Dia­go­na­le”, “Vor dem Blau/Blendung” und “War­mes Schwarz”) sind Gehäu­se und Kon­struk­te, die sowohl von dem Gan­zen wie auch den man­nig­fal­ti­gen Tei­len sei­nes Schaf­fens reden. Es ent­ste­hen Räu­me, wel­che der Künst­ler dif­fe­ren­zi­ell mit Sym­bo­len, Fle­cken, Farb­flä­chen und Rät­sel­ob­jek­te orga­ni­siert und aus­lo­tet., die er dreht, gegen­ein­an­der schickt, ver­schiebt und, rela­tio­nal sein eige­nes “Spiel” stö­rend, in Bezie­hung setzt. Vor­wie­gend fin­den sich Far­ben wie Grün, Vio­lett, Lila oder Grau in ver­schie­de­nen Tönun­gen. Dabei malt Wild nicht im eigent­li­chen Sinn die Far­be, son­dern stellt die Far­ben in Distanz zuein­an­der und schickt sie in einen chro­ma­ti­schen Dis­kurs. Das Grün flir­tet mit dem Oran­ge, das Blau mit einem gesät­tig­ten Gelb.
In sei­nen gro­ßen Gou­achen, die Wild als far­bi­ge Zeich­nun­gen ver­steht, plat­ziert er in zwei bis drei qua­si fil­mi­schen Schnit­ten Moti­ve auf infor­mel­len Grün­den. Hier fin­den sich Hin­wei­se auf die klas­si­sche Moder­ne (“Pen­sées à Matis­se”) oder komisch-figür­li­che Momen­te mit Anleh­nun­gen an die Art Brut. Auch holt Wild Frem­des und eher Häss­li­ches ins Bild und gibt z.B. von der Wer­bung ent­wer­te­ten Far­ben ihren Wert zurück.
In sei­nem Zyklus von reli­ef­ar­ti­gen Arbei­ten mit Öl auf Well­kar­ton, den er seit 2013 ver­folgt, beschäf­tigt sich Wild mit All­tags­phä­no­me­nen, wie in den Objek­ten “Stra­ße”, “Working”, “Pic­nic”. Wild nutzt dabei Kis­ten aus Well­pap­pe, Ver­pa­ckungs­ma­te­ria­li­en, von denen jeder Deut­sche pro Jahr ca. 60 Kilo ver­braucht und die für ihn bereits eine Geschich­te haben. Auf­ge­klappt, gefalzt, beschnit­ten lie­fern sie dem Künst­ler Vor­ga­ben, auf denen er For­men als Zita­te auf­trägt. Die Ölfar­be blu­tet dabei im Zell­stoff­ge­we­be des Mate­ri­als aus, ver­mischt sich mit oft bil­lig gedruck­ten Far­ben auf der fra­gi­len Ober­flä­che und ergibt neue oszil­lie­ren­de Zwi­schen­tö­ne.
Die Wer­ke von Mathi­as Wild sind Ein­zel­stü­cke, indem ihnen ein jeweils neu­er Ansatz und indi­vi­du­el­les Her­stel­lungs­ver­fah­ren zugrun­de liegt. Noch deut­li­cher wird dies bei sei­nen Mono­ty­pi­en, in der Aus­stel­lung durch ein Blatt mit schat­tier­ter Figur ver­tre­ten. Hier bringt der Künst­ler die gan­ze Kraft sei­ner Erfah­rung ein. Spon­tan und fast blind agie­rend gelingt es ihm mit die­ser Tech­nik, bei der sich Druck, Male­rei, Zeich­nung in schnel­ler zeit­li­cher Fol­ge über­la­gern, etwas zu schaf­fen, das sei­ne Kunst meis­ter­haft zusam­men­fasst: ein “Piè­ce uni­que”.

 

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